Evolution statt Revolution

In der rund 100-jährigen Geschichte des Automobils sind die Hersteller zu Komponentenintegratoren geworden: Heute konzentrieren sich die Hersteller auf die Montage und die Komponenten werden nur noch aus einem großen Regal von Zulieferern ausgewählt und montiert. Etwa 80% der kompletten Wertschöpfung eines Fahrzeugs werden heute an Zulieferer ausgelagert, die die gesamte Entwicklung und Produktion übernehmen. Die restlichen 20% beschränken sich auf die Endmontage, die Motorenfertigung und die Qualitätskontrolle.

Es machte mal Sinn

Diese gewachsenen Organisationsstrukturen sind bei analogen Komponenten, wie z. B. Scheinwerfern, sinnvoll, da sie einen sehr geringen Integrationsaufwand haben (z. B. Stecker für die Spannungsversorgung). Heutige Fahrzeuge hingegen sind mit Hunderten von Sensoren und Dutzenden von Steuergeräten (ECUs) ausgestattet, die in vielen Komponenten eingebettet sind. Diese Systeme sind nur für sich intelligent und können kaum miteinander Sprechen.

Nicht für Software

Der Einsatz von in Komponenten integrierten Sensoren oder gar neue Ideen, die die Funktionen von Steuergeräten erweitern sind sehr schwierig oder gar unmöglich. Wenn der Fahrer z.B. möchte, dass die Musik automatisch leiser wird, wenn er das Fenster öffnet, müsste der Hersteller des Fensterhebers (z. B. Valeo) plötzlich mit dem Infotainment-System (z. B. von Harman) sprechen. Diese Kommunikation findet einfach nicht statt, wenn der Hersteller sie nicht in die Pflichtenhefte für den Zulieferer geschrieben hat. Eine nachträgliche Änderung (z.B. durch eine App) ist heute technisch noch nicht möglich. Außerdem haben die Hersteller keine Möglichkeit, systemweite Optimierungen nach dem aktuellen Stand der Technik zu erkennen und umzusetzen, da jede einzelne Komponente gekapselt und isoliert ist. Ebenso weisen Komponenten der Zulieferer einen hohen Grad an Komplexität auf, da alle denkbaren analogen und digitalen Anschlüsse aller möglichen Autohersteller, die diese Komponente ebenfalls verbauen, unterstützt werden müssen.

Ein Gerät. Nur eine Software.

Jedes Steuergerät wird immer nur von einem Hersteller produziert, der die vollständige Kontrolle darüber hat, welche Software auf dem Gerät läuft. Insbesondere ist es nicht möglich, Software aus verschiedenen Quellen gleichzeitig und voneinander isoliert auf demselben Steuergerät laufen zu lassen. Das Ergebnis des heutigen Stands der Technik ist, dass allein der Hersteller entscheidet, welche Funktionen ein Fahrzeug bieten kann und der Kunde nur einmal, zum Zeitpunkt des Kaufs, entscheiden kann, welche vordefinierten Pakete er kaufen möchte.

sota